Wellnesshotels

Teil 1: Was uns die Wellness-Elite über ein erfülltes Leben lehrt

Andrea Labonte Hoteltesterin Autor: Andrea Labonte | 11.06.26
© Wellness Heaven.
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Im Frühjahr 2025 begann Wellnesshotel-Testerin Andrea Labonte für Wellness Heaven, regelmäßig führende Persönlichkeiten der Wellness-Branche nach ihrem Verständnis von Wohlbefinden, Glück und Lebenssinn zu befragen. Denn wer sonst sollte besser wissen, wie man Wohlgefühl erlangt, als die Menschen, die Orte für innere Balance und körperliche Erholung gestalten? Nun zieht sie ein erstes Resümee und präsentiert einige der wichtigsten Gedanken aus der Interviewserie „Mindful Moments – Gespräche, die berühren“.

Labonte trieb die Frage an: Wie gelingt ein glückliches Leben? Was trägt die erfolgreichen Macher der Branche? Wie denken und fühlen sie, wie gehen sie mit Herausforderungen um und wie erlangt man Wohlbefinden? In ihrer Interviewreihe sammelt sie Lebensweisheiten, die im Alltag gewachsen sind. Gedanken, die Mut machen, Ideen geben und Ansporn sind, auch im eigenen Alltag mehr Ausgeglichenheit und Zufriedenheit zu erlangen.

Labonte sprach mit Menschen, die nicht nur ihren Weg gefunden haben, sondern auch andere begleiten: zu mehr Wohlbefinden, Klarheit und Lebensfreude. Unter ihnen: Elisabeth Gürtler (Alpin Resort Sacher), Maria Hauser (Stanglwirt), Katharina Pirktl (Alpenresort Schwarz), Dr. Anna-Maria Fäßler (Sonnenalp Resort), Michaela Altenberger (Krallerhof), Thomas Weber (Alila Kothaifaru Maldives), Dr. Praveen Nair (Ayurveda-Arzt), Florian Gartner (Hotel Gartner) und Achtsamkeitstrainer Bryan Hoare. Was alle eint ist die Erkenntnis: Wellness ist längst kein Luxusprodukt mehr, sondern Ausdruck einer bewussten, achtsamen und sinnerfüllten Lebensführung.

Gesundheit als Basis für Glück

Für alle Gesprächspartner bildet die eigene Gesundheit und die der Liebsten die Grundlage des persönlichen Glücks. Michaela Altenberger, Gastgeberin im Krallerhof und Leiterin von „Longevity by Krallerhof“, sagt klar: „Gesundheit ist keine Glückslotterie, sondern ein täglicher Akt der Selbstfürsorge.“ Dabei verbindet der Krallerhof traditionelle Anwendungen, etwa nach Kneipp, mit modernen Methoden wie IHHT, Kryotherapie oder Rotlicht-Therapie, um Zellgesundheit gezielt zu stärken. Für Altenberger ist Wellness ein Werkzeug zur körperlichen und mentalen Gesunderhaltung. Ganz ähnlich sieht es Elisabeth Gürtler, die Grande Dame der Luxushotellerie. Für sie ist ein klassischer Wellnessbereich mit Schwimmbad, Sauna und Dampfbad im gehobenen Segment längst Grundvoraussetzung. Sie bietet ihren Gästen im Alpin Resort Sacher darüber hinaus noch einen Mehrwert: Ein individualisiertes Gesundheitspaket, hinter dem ein interdisziplinäres Ärzte-Team und Wissenschaftler stehen, die dem Gast beratend in allen Gesundheitsangelegenheiten zur Seite stehen.

Ähnlich sieht es auch Katharina Pirktl, Gastgeberin im Alpenresort Schwarz. Sie hat zur Gesundheitsförderung ihres Umfeldes regelmäßig stattfindende Gesundheitstage ins Leben gerufen – eine Kombination aus inspirierenden Vorträgen sowie Bewegungs- und Aktiveinheiten. Experten aus dem Gesundheits-, Medizin- und Sportbereich teilen während dieser Tage ihr Fachwissen mit Gästen, Einheimischen und Mitarbeitenden gleichermaßen.

Die Kunst der Reduktion: Stille als Quelle innerer Kraft

Doch körperliches Wohlbefinden allein reicht nicht aus. Erst in der Verbindung mit innerer Ruhe entfaltet sich ganzheitliche Gesundheit. Wer wirklich regenerieren will, muss nicht nur gut schlafen, essen und sich bewegen, sondern auch zur Ruhe kommen, innerlich wie äußerlich. Für Thomas Weber, General Manager des Alila Kothaifaru Maldives, liegt echter Luxus heute nicht im Überfluss, sondern in der bewussten Reduktion. In einer Welt, die von Geschwindigkeit, Lärm und digitalen Ablenkungen geprägt ist, wird stille Schönheit zum Gegenentwurf und zum Sehnsuchtsort. Weber beobachtet, dass Resonanz heute wichtiger geworden ist als Spektakel und dass echte Erholung dort beginnt, wo wir aufhören, uns abzulenken, und anfangen, uns selbst zu begegnen. Seine Insel im Indischen Ozean bietet genau diesen Raum: zum Durchatmen, zum Spüren, zum Denken. Und doch fällt das bewusste Abschalten vielen schwer. Die Frage nach dem WLAN-Passwort ist oft die erste nach Ankunft auf dem abgelegenen Eiland. Albert Schweitzer formulierte es hellsichtig: „Der moderne Mensch wird in einem Tätigkeitstaumel gehalten, damit er nicht zum Nachdenken über den Sinn seines Lebens kommt.“ Ein Gedanke, den Weber teilt.

Daher lebt Katharina Pirktl ganz bewusst nach dem Credo des Philosophen Seneca: „Ziehe dich so viel wie möglich in dich selbst zurück. Man muss Zeit für sich selber haben und zur Betrachtung seiner selbst kommen.“ Für sie berühren diese Worte einen zentralen Aspekt der Selbstliebe. Die Tiroler Hotelière, Mutter von vier Kindern und Führungskraft von über 360 Mitarbeitern, hat während ihrer Coaching-Ausbildung erkannt: Selbstfürsorge bedeutet nicht Egoismus, sondern Verantwortung – und die schließt Auszeiten für sich selbst mit ein. „Ein Prozess, der nie abgeschlossen ist – aber einer, der unglaublich bereichernd sein kann.“

Verwurzelung in sich selbst: Rituale, die Halt geben

Dr. Praveen Nair, Ayurveda-Arzt in Mauritius, nennt diesen Zustand des bewussten Innehaltens „Swasthya“: ein Verwurzeltsein in sich selbst, im Einklang mit der eigenen Natur. Für ihn beginnt Gesundheit nicht mit Symptombekämpfung, sondern vorher, mit einem Lebensstil, der Achtsamkeit und innere Klarheit fördert. Und dieses Gefühl der inneren Verankerung lasse sich kultivieren: durch kleine Rituale wie das Trinken warmen Wassers am Morgen, Atemübungen, Meditation, bewusste Bewegung oder eine Tasse Tee in Stille. Diese Rituale sind keine Wellnessgimmicks, sondern Wegweiser zu einer tieferen Verbindung mit sich selbst. „Choose simplicity over complexity“, rät auch Bryan Hoare. Für ihn sind bewusste Routinen, digitale Pausen, Rituale und Zeit in der Natur der Schlüssel zu mentaler Stärke. Glück sei weniger das Resultat äußerer Umstände als Ausdruck innerer Ausrichtung. Maria Hauser vom Stanglwirt spricht von der Kunst, wieder zu staunen über die scheinbar kleinen Wunder im Alltag: ein Sonnenaufgang, Vogelgezwitscher, ein Tanz, gemeinsames Musizieren, all das sind für sie Quellen von Freude, Kraft und Kreativität.

Ein klares Warum und der Mut, sich weiterzuentwickeln

Elisabeth Gürtler beschreibt ein sinnvolles Leben als eines mit Visionen und Zielen, die es gilt, mit Entschlossenheit zu verwirklichen. Dabei seien Rückschläge unvermeidlich und der Weg selbst oft erfüllender als das Erreichen des Ziels. Für sie geht es darum: „aktiv zu sein, Herausforderungen anzunehmen, mit Leidenschaft zu leben und Spuren zu hinterlassen.“ Glück sei nicht das Ergebnis von Besitz oder gesellschaftlicher Stellung, sondern das Gefühl, etwas im Leben bewirkt zu haben. „Das Leben ist aufregend – mit all seinen Höhen und Tiefen. Ich habe Erfolge erlebt und auch Misserfolge. Doch ich habe immer mein Bestes gegeben, Dinge bewegt, Neues geschaffen. All diese Erfahrungen waren für mich bereichernd, sinnstiftend – und haben das Leben lebenswert gemacht.“

Was uns in Krisen trägt: Die stille Kraft von Disziplin und Entschlossenheit

Auch für Dr. Anna-Maria Fäßler, Gastgeberin der traditionsreichen Sonnenalp, Unternehmerin mit über 500 Mitarbeitenden, promovierte Geisteswissenschaftlerin und Mutter zweier Kinder, ist ein klares „Warum“ im Leben die Basis für Erfüllung. Ihr Credo, das sich wie ein roter Faden durch ihr Leben zieht: „Wähle den Weg, der dich wachsen lässt.“ Ihre Biografie, vom kleinen Weingut in Niederösterreich bis an die Spitze der alpinen Spitzenhotellerie, zeigt: Für sie ist Wandel ein elementares Lebensprinzip. Disziplin und Entschlossenheit sind für sie zentrale Eigenschaften, um in turbulenten Zeiten Orientierung zu finden.

Resilienz und Widerstandskraft

Auch für Bryan Hoare bedeutet Erfüllung: „sich ganz auf das Leben eingelassen zu haben, präsent gewesen zu sein, geantwortet zu haben, wo Fragen auftauchten, aufmerksam geblieben zu sein für das, was zählt und etwas weitergegeben zu haben, das anderen Menschen hilft.“ Dabei fühlt sich der Weg zu einem erfüllten Leben für Hoare nicht immer einfach oder leicht an. Manchmal ist er steinig, begleitet von Erschöpfung, Selbstdisziplin und stillem Durchhalten. Dabei ist auch für Hoare eine Vision oder ein Ziel elementar, ganz nach Viktor Frankl: „Wer ein Warum zu leben hat, erträgt fast jedes Wie.“

Selbstregulation als Schlüsselkompetenz

So beginnt Resilienz meist im Inneren, in der Fähigkeit, mit sich selbst in Beziehung zu treten und bewusst auf das eigene Erleben zu reagieren. Für Michaela Altenberger sind Wellness-Erlebnisse dann transformierend, wenn sie „innerlich etwas verschieben“, wenn sie Klarheit fördern, Selbstkenntnis ermöglichen und vor allem zur Selbstregulation beitragen: der Fähigkeit, sich selbst zu beruhigen, zu stabilisieren und in die eigene Mitte zurückzufinden – gerade in stürmischen Zeiten, zurück im Alltag zu Hause.

Auch Bryan Hoare sieht in der Fähigkeit zur Selbstregulation einen entscheidenden Faktor für ein ausgeglichenes Leben. Es gehe darum, im Raum zwischen Reiz und Reaktion innezuhalten und bewusst zu wählen. Viktor Frankl habe diesen Raum als Ort größter Freiheit beschrieben.

Neugier und Staunen: Lebensfreude als Kompass

Für viele Interviewpartner ist Neugier ein innerer Motor. Sich in verschiedenen Rollen zu versuchen, Dinge auszuprobieren, die das Leben bunter machen – all das gehört für die Wellness-Elite zu einem guten und erfüllten Leben. Verliebt in das Leben und der Ansicht: „Ein bisschen Anarchie schadet nie“, hält der Freigeist und Hotelier Florian Gartner vom gleichnamigen Südtiroler Hotel Gartner in seinem Interview ein leidenschaftliches Plädoyer für kindliche Neugier im Leben und für Freiheit im Denken und Handeln. Für Gartner sind Reisen, Bücher, Filme, Architektur, Design, aber auch der Austausch mit seinen Mitmenschen, das „Salz in der Lebenssuppe“ – ein Elixier für mehr Vitalität und Freude. Dass Gartner neugierig auf alle Facetten des Lebens ist und dabei die Bodenhaftung nicht verliert, zeigt auch sein karitatives Engagement im „Dormizil“, einer Einrichtung für Obdachlose.

Glück: eine bewusste Entscheidung

Für Dr. Praveen Nair ist Glück kein Zufallsprodukt, sondern eine bewusste Entscheidung. Es hängt weniger von äußeren Umständen ab als von der inneren Haltung, davon, wie wir das Leben betrachten, wie wir handeln und welchen Beitrag wir zum Wohlergehen anderer leisten. Ganz im Sinne Voltaires: „Da es sehr förderlich für die Gesundheit ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein.“ Für Nair ist diese Entscheidung Teil einer aktiven Lebensgestaltung, in der Dankbarkeit, Achtsamkeit und Mitgefühl die wahren Quellen des persönlichen Glücks sind.

Auch Elisabeth Gürtler betont: „Glück ist volatil – Zufriedenheit nachhaltiger.“ Glück auf Dauer einzufordern, sei ein unrealistischer Anspruch, der oft zu Enttäuschung führe. Stattdessen setzt Gürtler auf innere Stabilität und Selbstverantwortung. „Ich habe gelernt, Zufriedenheit aus mir selbst und dem, was ich tue, zu schöpfen – und das ist, wie ich finde, sehr viel wert.“

Beide Stimmen führen zu einem zentralen Gedanken: Glück ist kein Zustand, den man festhalten kann, sondern eine innere Verankerung. Wer in sich selbst verwurzelt ist, sucht nicht im Außen nach Erfüllung, sondern findet sie im gelebten Moment, im sinnstiftenden Handeln und im Einklang mit den eigenen Werten.

Wellness neu gedacht: Vom Konsumangebot zur Bewusstseinsbewegung

Die neue Serie „Mindful Moments – Gespräche, die berühren“ von Wellness Heaven zeigt: Die Hospitality-Branche hat sich gewandelt: sie ist Seismograph für gesellschaftliche Bedürfnisse nach Sinn, Verbindung und Achtsamkeit. Die Gespräche offenbaren: Glück, Wohlgefühl und Selbstverwirklichung sind keine Konsumprodukte. Sie entstehen nicht durch ein Bad im Whirlpool oder den Besuch im Dampfbad, sondern sind Ergebnisse innerer Arbeit, Reflexion und bewusster Entscheidungen.

Wellness ist mehr als ein Spa-Besuch. Wellness-Erlebnisse laden dazu ein, sich selbst besser kennenzulernen, wieder auf die innere, oft leise Stimme zu hören und Techniken zu erlernen, um körperlich und mental gesund zu bleiben, und das bis ins hohe Alter.





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